🧭 Du bist nicht überzeugt?
Dann habe ich noch nicht richtig gefragt.
Heute geht es um den nächsten Schritt:
Agreement.
Nicht als „Abnicken“. Sondern ein inneres Ja.
Und genau hier lag eine meiner größten Lernaufgaben.
Ich hatte einmal drei Mitarbeitende in einem Projekt, völlig unterschiedlich.
- Person 1 war umsetzungsstark, pragmatisch, zielorientiert.
Auf meiner Wellenlänge. - Person 2 war ruhig, zurückhaltend, aber zuverlässig und loyal.
- Person 3 wirkte auf mich komplizierter.
Weniger greifbar, motiviert und engagiert.
Ratet mal, wen ich innerlich bevorzugt habe?
Dann kam ein Projekt, das nicht voranging. Ausgerechnet bei der Person, die ich ohnehin als "schwieriger" wahrgenommen hatte.
Und ich habe damals nicht die entscheidende Frage gestellt:
❓ „Du bist nicht überzeugt? Was muss passieren, damit du zu 100 % dahinterstehst?“ Ich habe verglichen.
Schneller. Klarer. Einfacher. Ergebnisorientierter.
Der Vergleich ist gefährlich.
Søren Kierkegaard wird das Zitat zugeschrieben:
„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“
Ich würde heute ergänzen:
In Führung ist Vergleich oft auch das Ende echter Individualität.
Denn wenn ich Menschen gleichsetzen will, beraube ich sie ihrer besonderen Stärken. Und manchmal auch der Chance, mich als Führungskraft etwas zu lehren.
Johann Wolfgang von Goethe:
„Behandle Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können.“
Genau darum geht es für mich bei Agreement.
Es geht darum, zu verstehen, was sie brauchen, um ihren besten Beitrag leisten zu können. Gerade in der Tiermedizin und in Heilberufen ist das entscheidend. Viele Teams sind weiblich geprägt, hoch engagiert, emotional eingebunden und fachlich stark belastet.
Menschen arbeiten dort nicht nur für Geld.
Sie arbeiten für Patienten.
Für Kunden.
Für Qualität.
Für Sinn.
Für ein Team, in dem sie gesehen werden wollen.
Agreement entsteht nicht durch Druck oder den einen brillanten Vortrag.
Agreement entsteht, wenn Menschen ihren eigenen Nutzen und ihren eigenen Beitrag erkennen:
🔹 Warum ist diese Idee wichtig?
🔹 Was wird dadurch für Tier, Kunde und Team besser?
🔹 Was brauchst du, damit du mitgehen kannst?
🔹 Welche Sorge hält dich zurück?
🔹 Welche besondere Stärke bringst gerade du ein?
Das ist keine weiche Führung. Das ist präzise Führung.
Denn Gleichbehandlung bedeutet nicht, alle gleich zu führen.
Fairness bedeutet, Menschen so unterschiedlich zu führen, dass sie ihre Stärken einbringen können. Ich habe das damals nicht gut genug verstanden.
Heute weiß ich:
Eine Idee wird nicht stark, weil die Führungskraft überzeugt ist.
Sie wird stark, wenn Menschen sagen: „Ich verstehe den Sinn. Ich sehe meinen Beitrag. Und ich will Teil davon sein.“
❓ Wo verwechseln wir als Führungskräfte Zustimmung manchmal mit echter Überzeugung?
➡️ Teil 4 folgt am nächsten Dienstag.
